NUR GEMEINSAM SIND WIR STARK.

Der Trog, aus dem die Schweine fressen, ist immer der Gleiche.

Es sind nur die Schweine, die sich ändern.

 

   

 

 

 

 

Wie wenige Sekunden im Leben eine Rolle spielen .......................


Hätte ich daheim noch einen Schluck Kaffee zu mir genommen, dann wäre ich nicht mit dem Besoffenen zusammen getroffen, der mir die Vorfahrt nahm ................!

Das gehört jetzt in die Kategorie "WENN und ABER". - Nicht aber folgende Geschichte, die sich tatsächlich so abgespielt hat, wie ich es hier darstelle, die mir mein Vater wieder und wieder erzählt hat, die später auch von anderen Personen bestätigt wurde. - Nicht, dass ich ihm misstraut hätte. Aber die Leser dieser Geschichte wissen garantiert, wie fälschlich die Dinge aus dieser Zeit oft dargestellt werden! - Ich kenne eine Menge alter Herren, die die Zeiten des 2. Weltkrieges verherrlichten, obwohl sie als Soldaten im Einsatz waren und die scheusslichsten Dinge erleben mussten. Den Hunger und die Nöte haben wohl viele vergessen. Ein Verwandter von mir, er ist inzwischen schon tot, erzählte mit glänzenden Augen, wie schön es auf dem U-Boot war, auf dem er diente und zu Weihnachten bekam er sogar ein Stück von einer Gans. Er hatte die Jahre wohl vergessen, wo er innerhalb kürzester Zeit alle Zähne verlor, weil er an Skorbut litt. - Skorbut tritt u. a. als Zeichen einer Mangelernährung, vor allen Dingen bei fehlendem Vitamin C auf.

Ich interessierte mich schon immer für politische Vorgänge und fand in meinem Vater immer einen Ansprechpartner. Es kam dazu, dass ich schon als junges Mädchen fragte, wie Hitler denn solch eine Macht über das Volk bekommen konnte? Wieso man zuliess, dass so viele Juden umgebracht wurden? - Es war mir unverständlich! In der Schule schwieg man die Zeit nämlich tot.

Mein Vater begann mit der Zeit nach dem 1. Weltkrieg, der danach folgenden Weltwirtschaftskrise, den hohen Arbeitslosenzahlen. Es folgten Jahre voller Entbehrungen.
Auf einmal stand da ein "starker Mann", der vorgab, der Not ein Ende zu setzen. - So kam Hitler an die Macht!! -
Die vielen Arbeitslosen erhielten Arbeit, wurden überall eingesetzt. So wurde das Volk anfangs getäuscht. - Es schien aufwärts zu gehen. Keiner ahnte, zu welchem Zweck das alles geschah. -


Meine Mutter war damals Hausschneiderin in Essen. Gut betuchte Leute holten sich für einige Zeit eine Schneiderin ins Haus, die ihnen die Wäschestücke reparierte und auch neue Kleidung fertigte. - Mutter nähte sehr viel für Juden und sie erwähnte, dass die Leute immer gut zu ihr waren. - Man benachrichtigte meine Mutter von Zeit zu Zeit, wenn man ihre Hilfe brauchte. - Nun, es fiel auf, dass man ihre die Dienste wohl nicht mehr benötigte.
Meine Eltern machten sich auf den Weg, um der Sache mal nachzugehen und sie stellten fest, dass es diese und jene Familien einfach nicht mehr gab. Ein paar konnten ja verzogen sein, aber doch nicht so viele. Aber wie konnte man diesbezüglich nachforschen, in einer so grossen Stadt wie Essen? -
Bei einer der Gelegenheiten, Kundschaft meiner Mutter aufzuspüren, trafen meine Eltern auf ein jüdisches Ehepaar, für die meine Mutter mal gearbeitet hatte. - Sie erfuhren ganz kurz grauenvolle Dinge, die sie kaum glauben konnten, spürten aber die Gefahr, in der sie sich befanden! -


Die jüdischen Bürger sollen abgeholt worden sein und wer mit Juden Kontakte pflegte, würde standrechtlich erschossen! - Es wurde gemunkelt, dass sich diese Menschen in Konzentrationslagern befänden! Sie trugen inzwischen alle einen gelben Stern!
Ich erfuhr diese Sachen nicht nur von meinen Eltern, auch von anderen Zeitzeugen, die ich befragte. - Inzwischen war etwas angeordnet worden, was die Menschen zu spät begriffen! - In jedem Haus sass ein Spitzel, der meist die Hausmeisterrolle übernahm. Er notierte jeden Besucher, der zu einem Mieter des Hauses ging. Selbstverständlich wurde auch nachgeforscht, wer die Person war, wie oft und warum das geschah. - Es reichte schon aus, wenn sich einer auffällig benahm und dem Hausmeister eine Nase nicht passte. - Ratzfatz stand die Gestapo vor der Tür, die alles heraus bekam, mit allen erdenklichen Mitteln, mehr als sich überhaupt zugetragen hatte. Nach und nach verschwanden die Leute, die Nachbarn oder Bekannte! - Keiner wusste Genaues! Es machte sich Angst breit, dass keiner dem anderen mehr traute! - Jeder konnte ja der nächste sein, der abgeholt wurde. - Zu erwähnen wäre noch, dass es ausser dem "Hauswart" auch noch einen übergeordneten Spitzel, den "Strassenwart" gab. - Selbstverständlich waren diese Spitzel Angehörige der Partei - NSDAP - Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei -

Mein Vater wurde nach dem 1. Weltkrieg in eine Lehre als Schlosser gesteckt, ohne nach einer Eignung für den Beruf gefragt zu werden. Er musste dort für Kost und Logie arbeiten, 7 Tage in der Woche und tägl. so lange, wie Arbeit vorhanden war. Das war zu einer Zeit, wo der Lehrherr auch noch Prügel verabreichte, wenn der Lehrling nicht spurtete. Oft genug bekam die auszubildene Person auch noch die Schuld für Dinge, die die Familienmitglieder begangen hatten, ohne sich wehren zu können. - Der Chef konnte, wann auch immer, über den Lehrling verfügen, mit Ausnahme des sonntäglichen Kirchenbesuches! - Der war Pflicht!
Früher erledigten die Schlossereien auch noch das Pferdebeschlagen und viele andere Arbeiten. - Der Schlosser war wohl so ein Überbegriff, für alles, was vorkam! -

Nun aber wieder zur Hitlerzeit! - 1936 nahm mein Vater eine Stelle als Schlosser, bei einer Zeche in Essen an, allerdings nicht in der Grube, sondern über Tage! - Das brachte enorme Vorteile. Meine Eltern, die heiraten wollten, erhielten von der Bergwerksgesellschaft eine sehr schöne Wohnung, für damalige Zeiten schon mit Bad!
Ausserdem erhielten die Beschäftigten günstige Kohle und jeden Tag belegte Brote für die Tätigkeit! - Wo gab es das sonst schon?


Bevor meine Eltern verheiratet wurden, mussten sie natürlich ihre arische Abstammung und ihre Schulzeugnisse nachweisen. - Soweit mir bekannt ist, wurden Leute nicht verheiratet, von denen einer jüdischer Abstammung war! - Es war so weit gekommen, dass man lieber alle zweifelhaften Personen grundlos wegsperrte, als dass es auch nur einigen gelingen könnte, durch das engmaschige Netz des Regimes durchzuschlüpfen! - Auch Personen, die geistige Ausfälle hatten, die vielleicht als "nicht normal" galten, die behindert waren, wurden "abgeholt". Man sah sie nicht mehr wieder! -
Mir wurde später von meinen Eltern einer vorgeführt, der auf einem Friedhof arbeitete, der in eine Gaskammer geschickt und von einem Arzt wieder herausgeholt wurde! - Man hatte ihn jahrelang versteckt, bis der Krieg beendet war, damit er nicht auch noch umgebracht wurde! - Die Bombenangriffe und sehr viel Leid hatten ihn gezeichnet. Als Gärtner auf dem Friedhof fühlte er sich später scheinbar wohl. Er hinterliess einen freundlichen aber sehr naiven Eindruck. - Vermutlich hat er alles verdrängt, was ihn mal belastete.


Ich beschreibe das hier absichtlich, damit die Leser erkennen, in welcher Situation die Bürger schwebten und welche Angst sie tagtäglich ausstehen mussten! - In vielen Abendkursen erlernte mein Vater den Beruf des Kaufmannes und des Technischen Zeichners! Ich habe diese Zeugnisse noch später bewundern können! - Man muss es sich vorstellen:  Tagsüber war er Schlosser und abends ging er jahrelang zur Schule! - Jeder war ja zu der Zeit froh, überhaupt eine Tätigkeit zu haben! - Allerdings ahnte mein Vater in den Jahren seines Lernens nicht, wie wichtig diese Ausbildung einmal für ihn sein würde! - Sie zahlte sich aus!

Vater hatte in der Schmiede, in der er früher tätig war, ein glühendes Stück Eisen ins Auge bekommen und war dadurch auf einem Auge blind. - Da er dazu noch auf der Zeche tätig war, wurde er als Soldat nicht eingezogen, als Hitler am 1. September 1939 den Krieg erklärte!! -


Im Laufe der kommenden Jahre wurde mein Vater von vielen Personen aufgesucht, die ihn in die Partei aufnehmen wollten. Er lehnte immer ab! - Ich weiss jetzt nicht, ob es 1941 oder 1942 war, als ein ehemaliger Schulkollege meines Vaters ihn energisch drängte, doch in die NSDAP einzutreten. - Er war durch die vielen Bedrängungen schon genervt und hatte den Durchblick insoweit, dass das, was da geschah, niemals gutgehen würde! - Er hatte den Mut und sagte zu seinem früheren Schulkollegen, von dem er noch glaubte, dass das keine Folgen für ihn haben würde: "Leckt mich mit Eurer Partei am Arsch!"

Am nächsten Tag hatte mein Vater einen Stellungsbefehl, worauf er sich sofort in Danzig am Hafen, da und dort zu melden hatte. - Nun wurde es ernst. Ihr wisst ja, dass es kein Telefon gab, wo man sich zuvor von allen Personen verabschieden konnte. - Jeder ahnte, dass das ein Himmelfahrtskommando war, keiner sprach es aus!
Vater verabschiedete sich von meiner Mutter und von meiner Schwester und hoffte, sie noch einmal wieder zu sehen!


Irgendwann kam er in Danzig an. Er schilderte immer wieder diese riesigen Menschenmassen am Hafen, die wohl das Land mit einem Schiff verlassen wollten. Als er inmitten von Hundertausend Menschen zu seinem Meldeziel wollte, traf er einen Bekannten, den er von seinen Abendschulen her kannte, in Uniform! (welch ein Wunder!)


"Was machst Du denn hier?" - Ja, mein Vater zeigte ihm seinen Stellungsbefehl. Sein Gegenüber zog die Augenbrauen hoch und meinte: "Warte mal hier. Ich werde sehen, was ich für Dich tun kann!" - Viel Hoffnung blieb meinem Vater nicht, er ahnte, was auf ihn zukam. -

Aber nach einer Weile kam sein Retter zurück und meinte, er bekäme einen neuen Stellungsbefehl, zu einer Kaserne in Hamm, wo er die Materialausgabe übernehmen müsse! Den anderen Einsatzbefehl - der übrigens ein Himmelfahrtskommando war - hätte er rückgängig gemacht! - Später wurde festgestellt, dass wirklich keiner von dort zurück kam! -


Ich brauche wohl nicht beschreiben, wie mein Vater das jetzt aufnahm! - Die kommenden Jahre verbrachte er in Hamm. - Als die SS-Angehörigen auch noch die letzten Stücke des Lagers für sich anforderten und nervös absetzten, meinte mein Vater, dass es auch für ihn nun Zeit sei, zu verschwinden! - Er wollte nicht in eine Gefangenschaft geraten, denn er hatte sich nichts vorzuwerfen! Er war noch völlig alleine in der Kaserne, bis dahin, vielleicht Januar 1945! Danach kam er zur Familie, die ja evakuiert war! -

Jeder wurde sofort erschossen, der desertierte. Die SS fahndete noch überall, bevor sie sich selber absetzten, weil die Russen schon ziemlich nah waren. - Vater erzählte, dass überall Menschen an den Bäumen aufgehängt wurden, die keinen Sinn mehr darin sahen, den übermächtigen Feind aufhalten zu können! Die Panzerketten hörte man schon rasseln! -

Die Geschichte ist allerdings noch nicht zu Ende! - Der Krieg war beendet, überall fahndete man nach Nazis. Viele wurden verurteilt!
Mein Vater arbeitete inzwischen als Schlosser, baute grosse Turbinen. - 1949 stürzte er von einem Gerüst und erlitt so schlimme Knochenbrüche, die ihn für seinen Beruf untauglich machten. Er brauchte 1 1/2 Jahre, bis er wieder laufen konnte. - Was sollte er beruflich machen? - Er wäre allenfalls noch für einen Pförtnerposten tauglich gewesen! - Allerdings vergab man zu der Zeit kaum Stellen. Es lag ja alles noch in Schutt und Asche und fast alle Stellen waren mit Schwerbeschädigten aus dem Kriege besetzt, von denen es ja genug gab! -


Vater versuchte sein Glück und ging in Essen zum Arbeitsamt, mit all seinen Zeugnissen! - Es war damals schlimm, wie die Beamten mit den Arbeitslosen herum sprangen! - Das war noch so, als ich später mit dieser Behörde zu tun hatte. - Jedenfalls sass Vater vor einer Tür, dessen Namensschild ihm wohl was sagte. "Aber davon gibt es in Essen wohl mehrere", dachte er bei sich! - Die Tür ging auf - Vater ging hinein und beide waren einen Moment sprachlos!
Das war der ehemalige Schulkollege, der ihn zu diesem Himmelfahrtskommando geschickt hatte! - Vater reagierte mit Zurückhaltung, während sein Gegenüber in eine übernatürliche Freundlichkeit verfiel! (hatte Angst) - Zu der Zeit landeten ja noch viele vor Gericht, wegen der Kriegsverbrechen! -

War das nicht genau so ein Zufall, den wieder zu treffen, wie das Ereignis in Danzig, wo eine Person meinem Vater das Leben rettete? - In der riesengrossen Stadt Essen, lenkte der Zufall sein Schicksal!


Vater übernahm das Wort, legte seine Zeugnisse vor, erwähnte seinen Arbeitsunfall und die Folgen. - Der überraschte Beamte (zu der Zeit waren diese Posten nur mit Beamten besetzt) bat um Geduld, er käme gleich wieder und verschwand irgendwo hin, mit all den Unterlagen! -

Nach 10 Minuten kam er wieder und erklärte, dass er für meinen Vater eine Tätigkeit auf dem Büro bei einer grossen Firma klargemacht hätte. Er könne morgen dort anfangen! -

So hatte sich der ehemalige Schulkollege als Wiedergutmachung für ihn eingesetzt. - Das muss man sich mal vorstellen, welche Zufälle das Leben bietet. - In dem Job blieb Vater dann bis zu seiner Pensionierung! - Er versuchte allerdings, sich den Typen beim Arbeitsamt noch einmal vorzunehmen, als die totale Überraschung abgeklungen war! - Das müsste 1951 gewesen sein. Es gab den Schulkollegen dort aber nicht mehr! - Entweder hat man ihn wegen noch anderer Delikte eingesackt, denn diese Typen haben nicht nur einmal so gehandelt oder er bekam durch das überraschende Zusammentreffen mit meinem Vater Angst und verschwand ins Ausland!
Allerdings muss er auch im Amt noch höhere Seinesgleichen gehabt haben, sonst hätte es mit dem Job bei der grossen Firma nicht so schnell geklappt und das zu der Zeit!!

Nun kamen auch noch die lehrreichen Jahre der Abendschulen zum Einsatz, die schon vergessen schienen! - Vater versuchte auch später noch, etwas über seinen damaligen Lebensretter zu erfahren. Er war ja einer der Dozenten gewesen, der an der Abendschule unterrichtet hatte. -

Man darf allerdings nicht vergessen, dass er in der Schule wohl ok war, beim Militär aber schon einen höheren Rang besass. - Den erhielt keiner, der nicht ein ganz Getreuer des Regimes war! - Vielleicht hatten ihn die Alliierten einsackt und bestraft, er war im Krieg ums Leben gekommen oder er hatte sich ins Ausland abgesetzt!

Sind das nicht bemerkenswerte Zufälle, die sich wie eine erfundene Geschichte anhören. - So spielt das Leben! - Mein Vater war immer gegen Gewalt und Krieg, hat sich niemals daran beteiligt. - Selbst als er der Familie zur Flucht verhalf, bevor die Russen in Sachsen-Anhalt einmarschierten, wo sie evakuiert waren, vertraute er auf eines: " Ich habe keinen im Krieg umgebracht und habe keinem was getan. Mir wird auch nichts geschehen!" -
Sie flüchteten durch den Hartz, (noch war Krieg) weil ja noch unsere Wohnung in Essen vorhanden war. - Meine Schwester war einige Jahre alt, als sie nachts von einem russischen Posten angehalten wurden! - Bedenkt, mein Vater hätte Soldat sein können, ein Feind der Russen. Die handelten meistens sehr entschlossen! -

Der Russe dachte vermutlich in dem Augenblick an seine Familie. - Er forderte alle auf, schnell und leise zu verschwinden. - Ich weiss das natürlich nur von den Erzählungen.
Essen wurde auch sehr stark bombardiert, weil es dort Krupp gab, die ja Waffen und Munition, sowie Lokomotiven herstellten. - Eine sehr schlimme Zeit, die viel Leid erzeugte, egal, wer es war.

 

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