NUR GEMEINSAM SIND WIR STARK.

Der Trog, aus dem die Schweine fressen, ist immer der Gleiche.

Es sind nur die Schweine, die sich ändern.

 

   

 

 

Heiteres - oder auch nicht - aus dem Altenheim

Ich war einige Jahre in der Altenpflege beschäftigt, was eine sehr schöne Tätigkeit sein kann, wäre nicht der ständige Stress gewesen: Akkord-Arbeit am alten Menschen!
Die meisten Bewohner sind orientierungslos und wissen überhaupt nicht, was mit ihnen geschieht, weil die Medikamente sie ruhigstellen.
Ich möchte auch nicht morgens um 6 Uhr aus dem Bett gezerrt und in Eile unter die Dusche gestellt werden. Kein Wunder, wenn die Leute sehr oft recht aggressiv reagieren!

An dieser Stelle möchte ich aber mal von einem heiteren Erlebnis schreiben. - Heute ist es amüsant, damals leider nicht. - Aber beurteilt das mal selber! Es gab zwei Schwestern auf der Station, 86 und 89 Jahre alt, die häufig ihr Unwesen trieben. -
Anna und Berta

Sie beobachteten ständig die Lage und war keine Aufsicht in der Nähe, fassten sie sich ans Händchen und verschwanden im Fahrstuhl nach unten, zum Ausgang. - Ich nenne die Damen jetzt einmal Anna und Berta. -
Sie waren beide nie verheiratet gewesen und die Eltern besassen wohl mal eine Tischlerei, einstmals!! -  Man kann annehmen, dass die beiden Damen früher wohl einmal für das leibliche Wohl ihrer Gesellen zuständig waren, da sie ständig den Drang verspürten, die Kartoffel schälen zu müssen, weil die Leute gleich heim kämen! - Ihr macht Euch keine Vorstellung davon, welche Kraft die entwickelten, wollte man sie von ihrem Vorhaben, nach Hause zu gehen, abhalten.
Unten im Flur sassen immer Leute, die noch nicht auf der Pflegestation waren. Sie hatten eine kleine Wohnung mit Dusche im Hause, wurden aber von den Schwestern auch betreut, wenn Not am Mann war. Sie konnten in den Speisesaal zum Essen und ihre Wäsche wurde gereinigt. - Die blieben nicht in ihren vier Wänden, sondern sassen meistens in dem geräumigen Flur, der wie eine Hoteleingangshalle wirkte. - Da gab es immer was zu sehen!
So auch, wenn Anna und Berta aus dem Fahrstuhl kamen und Richtung Ausgang stolzierten, immer Hand in Hand. - Die in der Lauerstellung sitzenden Personen griffen dann zum Haustelefon und riefen uns an. - Dann nichts wie hinterher! Draussen angekommen liefen die beiden immer weiter, orientierungslos, egal wohin sie der Weg führte und wie kalt es war. -

Der Drang, ihre Pflicht zu erfüllen, liess sie weder Regen noch Kälte spüren! -
Hatte man die beiden Damen eingeholt, wehrten sie sich mit allen Mitteln. Das konnte man an Schlägen und evtl. Beissen spüren. -

Jedenfalls erzählten sie mir, sie müssten Kartoffeln schälen, die Leute kämen gleich heim. - Ich meinte, dass die Kartoffeln schon fertig seien. Das glaubten sie nicht. - "Kommt, ich zeige es Euch" und führte sie zur Küche des Hauses. Die kannten die beiden Ausreisserinnen schon und bestätigten meine Angaben, worauf die beiden Damen mir wieder folgten.
Manchmal liess ich die beiden in der Stationsküche ein paar Trinkgläser des Personals spülen. Dann waren sie immer zufrieden. -

Alleine wenn man ihnen statt Schürze ein Küchenhandtuch umband, fühlten sie sich heimisch. Das war ihre Welt.

Wir hatten im Hause sechs Pflegestationen - aber nur zwei Nachtschwestern - die auch noch die Betreuung der Wohnstation übernehmen mussten.
Eines Morgens kam ich um 6 Uhr zum Dienst und stellte fest, dass alle Gebisse der Bewohner verschwunden waren, die die Spätschicht immer in Töpfchen mit einer Reinigungstablette versehen, über Nacht aufbewahrte. Die standen auf der Ablage - über dem Waschbecken - des jeweiligen Bewohners. - Man reinigte die immer zuerst, damit man den Personen alsbald damit den Mund füllen konnte.

Von allen Stationen kamen Anrufe mit Anfragen, ob Anna und Berta evtl. nachts unterwegs waren und irgendwo Gebisse gehortet hätten. -

Ich schaute in deren Zimmer nach, in den Nachtschränkchen (Schublade und der untere grosse Bereich) und in deren Kleiderschränken! - Wo ich auch immer hinschaute - ich erblickte Gebisse. - Das konnte ja was geben. Die beiden Nachtaktiven schliefen ganz friedlich!


Ich holte eine Plastikwanne und packte da zunächst alle Prothesen hinein. - Diese Bescherung zeigte ich dann der Stationsleitung, die wiederum alle Stationen benachrichtigte. - Stellt Euch vor:  Von 150 Personen die Zähne x zwei = Oberkiefer und Unterkiefer! - Es gab nur wenige mit Teilprothesen.

Den Morgen mussten mal alle Milchbrei zum Frühstück einnehmen - weil sie ohne Beisserchen keine Brötchen oder ähnliches essen konnten. - Nachdem wir alle Bewohner angekleidet und später gefüttert hatten, ging es an die Zähne zum Aussortieren.
Breiterer Kiefer gehörte wohl einem Mann, kam in eine extra Schüssel. Wir sortierten blind, nach irgendwelchen Merkmalen. - Vergesst nicht, dass kaum einer der Leute hätte angeben können, ob die Zähne passten oder nicht. Die paar Bewohner, die noch Angaben machen konnten, dass z. B. Goldbesatz daran war, oder sie eine  Teilprothese besassen, die konnten wir schnell aussortieren. - Wenn wir nicht mehr weiterkamen, gaben wir die Schüssel an andere Stationen weiter, damit die die richtigen Zähne zu den richtigen Leuten herausfanden.
Es dauerte sehr lange, bis wir alle richtigen Besitzer fanden. -

Ich muss noch hinzufügen, dass man nicht einmal danach gehen konnte, ob etwas passte oder nicht, weil sehr viele der Bewohner kein passendes Kauwerkzeug mehr im Mund hatten.
Und die beiden Übeltäter stritten natürlich alles ab. - Sie haben das nicht gemacht. - Vermutlich brauchten sie nicht einmal lügen, weil sie das vergessen hatten! - Wenn die beiden alten Damen in Aktion waren, da ging es immer rund.


Wir hatten ja keine geschlossene Station, holten aber die Genehmigung eines Richters ein, dass die beiden Damen nachts angegurtet wurden. - Der Vorteil war, dass sie nachts nichts mehr anstellen konnten - der Nachteil war, dass wir verpflichtet waren, ihnen die Klingel in erreichbarer Nähe anzubringen. - Und sie klingelten in einer Tour - auch nachts!
"Mach das mal los. Ich kann nicht aufstehen!"


Ich musste gerade daran denken, dass die beiden immer von einem Hüftgürtel sprachen. - Wenn ich sie zur Mittagszeit bettete und angurten wollte, dann fragten sie mich, was ich da täte. Da fiel mir der Hüftgürtel ein, den ich zumachte! - Dann war es gut! - Komischerweise. - "Nur ein wenig die müden Füsse ausruhen. Dann gibt es leckeren Kaffee und ........... ??" (hauptsache was Nettes) Bis es soweit war, hatten sie sowieso alles wieder vergessen.

Eines Morgens wollte ich sie aus dem Bett holen, als sie sich nicht anziehen lassen wollten. - Sie hätten heute Erstkommunion und wollten das weisse Kleid anziehen, was ihre Mutter ihnen genäht hätte. - Der Pastor wartete auch schon auf sie. -

Ich überzeugte sie, dass sie doch nicht ungewaschen und ungekämmt zur Erstkommunion gehen könnten. - Ich schaffte wenigstens, die Grundversorgung vorzunehmen. Bei der Kleidung gab es erneut Theater. Sie weigerten sich beide, ihre normale Kleidung anzuziehen. - Da machte ich ihnen den Vorschlag, dass wir das weisse Kleid drüber ziehen würden, weil es draussen so kalt sei. -

Gut, auch das klappte. Und beim weiteren Nachdenken kam mir die Idee:  Ich holte zwei OP-Hemdchen heraus und streifte sie den beiden Schwestern über. - Sie strahlten - gingen Hand in Hand über die Station. - Aber sie wollten in die Kirche - nach draussen! -

Ich erklärte ihnen, dass der Pastor heute hier ins Haus käme. - Sie staunten und warteten. - Einmal rissen sie noch aus. Am Ausgang wurden sie wieder eingefangen. Die sahen vielleicht aus, mit der hinteren Öffnung des Hemdes. Die beiden alten Damen waren aber glücklich. Oben bekamen sie ihr "Schnäpschen" und alsbald war von einer Erstkommunion keine Rede mehr. Ich durfte ihnen auch die OP-Hemden ausziehen. Diese Situationen werde ich nie mehr vergessen!

 

 

Erlebnisse im Altenheim

Zu meinen vielen Tätigkeiten, die ich ausführte, um meinen Lebensunterhalt zu sichern, habe ich einige Jahre in einem Altenheim gearbeitet.
Die Tätigkeit war hart und oft bedrückend.
Zu dem ganzen Stress, den der Beruf mit sich brachte, gab es auch immer wieder "beeindruckende Erlebnisse", die man nicht mehr vergisst.
Es gab eine 93-jährige, blinde Bewohnerin im Altenheim, die bestimmt schon 10 Jahre dort lebte und das Bett alleine nicht mehr verlassen konnte. Sie benötigte eine Rundum-Betreuung.
Sie war eine ganz knuffige Frau und überraschte einen einfach mit ihren Aussagen. Früher war sie Lehrerin in der DDR gewesen, war aber extrem gegen das Waschen, überhaupt gegen Wasser. - Ich versuchte sie immer mit Gesprächen abzulenken:

"Wie alt sind Sie eigentlich, Frau Müller?"
"Das weiss ich nicht. Da musst Du mal meine Mutter fragen, aber 93 x habe ich schon Geburtstag gefeiert!"

Übrigens - sie war wirklich 93 Jahre alt.

 

"Waren Sie auch verheiratet?" -
"Nein, ich war zuerst zu wählerisch und nachher sind die Besten im Krieg gefallen!"


Und bei dem Versuch, die Bettdecke zu entfernen, hängte sich die kleine - 33 kg leichte Frau - mit aller Macht an diese Decke, als kostete sie das Leben, wenn man ihr die abnähme. - Da war vielleicht eine Energie dran. Nur mit Ablenken konnte man bei ihr etwas erreichen. - Es war täglich das gleiche Spielchen.

"Du willst mich ja nur wieder waschen. Hast Du eigentlich nichts anderes zu tun, als mich ständig zu waschen?"
Und die Pampers musste ich ihr ja auch noch Ausziehen. - Sie schrie, wie am Spiess. - Alle kannten das. -
Das hörten die Leute bis unten in der Eingangshalle. Meist wurde dazu gesagt: "Frau Müller wird wieder gewaschen."

"Du brauchst mich heute nicht waschen. Ich spring gleich mit meinen Kindern in die Oder!" - Mit ihren Kindern waren wohl ihre Schulklassen gemeint.


Ich überredete sie dann, dass wir heute nur eine kleine Katzenwäsche machten. - Das sagte ich allerdings fast täglich, wenn ich sie versorgen musste.

"Die Oder hat ganz kaltes Wasser. Da waren heute noch Eisklumpen drauf. Ich mache jetzt ganz schönes warmes Wasser fertig und die Bettdecke darfst Du auch mitnehmen."


Gegen Kälte hatte sie nämlich was.
"Na gut, dann mach aber schnell."
Als ich die Pampers entfernte, meinte sie mit einem Seufzer, dass es gerade so schön warm gewesen wäre. Dass ich sie aber auch immer belästigen müsste.

 

Ich konnte zwar später die Bettdecke wieder entfernen und ein Zeitgefühl hatte sie ohnehin nicht. - Aber man musste ständig auf der Hut sein. Bei einem falschen Handgriff, wenn ihr etwas nicht passte, dann biss sie einen ratzfatz in die Hand.
Jedenfalls musste man sie ständig beschäftigen und ablenken. -

Das war der normale Morgen. 2 x in der Woche musste sie aber geduscht und die Haare gewaschen werden. Das ging nicht ohne ein Mordsgebrüll über die Bühne.
Man bedenke, dass die Bettlägerigen sehr sorgfältig gewaschen, abgetrocknet und eingecremt werden müssen, da sich sehr schnell offene Wunden bilden, die ganz mühsam und schlecht wieder heilen.

Auch beim Füttern war die Frau sehr, sehr eigenwillig. Da sie ihr Essen nicht mehr sehen konnte, benahm sie sich stets misstrauisch. Wer die alte Dame nicht kannte, musste sich nach dem Füttern garantiert umziehen. Im Nachtisch lagen immer so kleine Schokoriegel, die man von ihrem Taschengeld immer kaufte. Bevor sie ihren Mund öffnete, musste sie immer etwas Süsses schmecken. Sonst bekam man keinen Löffel mit Essen hinein. - Ich hatte ja auch schon mal die Bekanntschaft mit ihrer Eigenwilligkeit gemacht und mich umziehen müssen. - Daraus lernte ich aber!
Also, ich musste sie mit Spinat und Kartoffelbrei füttern, schob den Schokoriegel vor den Mund, sie lutschte vorsichtig daran, bemerkte, dass es süss schmeckte und ich schob dann sofort den Löffel mit dem Mittagessen hinterher. Nur in dieser Reihenfolge klappte es und mit viel Ablenkung. Ich fragte sie viel nach ihrer Vergangenheit. Die Gegenwart war ihr nicht bewusst!


Einen Moment der Unachtsamkeit reichte - sie bemerkte, dass das nicht süss war, womit ich sie fütterte und sie spuckte das Essen in hohem Bogen aus. - Ich hatte den Spinat in meinem Gesicht auf auf dem weissen Kittel. - Nachdem ich mich grob gereinigt hatte, kam mir eine Idee. Unter das Essen mischte ich Traubenzucker, machte das in der Mikrowelle noch einmal warm, fütterte die Gute erneut und sie ass alles auf! So ging es auch. Ich erinnerte mich daran, wie man das mit den kleinen Kindern machte, sie ans Essen zu gewöhnen.


Nach dem Essen schlief sie dann wieder und war ganz friedlich. - Auf einmal klingelte sie. Ich ging in das Zimmer und fragte sie, was sie denn möchte.
Sie antwortete, dass sie überhaupt nicht wüsste, wass sie anziehen sollte.
"Kannst Du mich denn nicht mal beraten? Ich möchte mit dem Zug zu meiner Schwester nach Erfurt fahren."


Sie hatte keine lebenden Angehörigen mehr und ausser Nachthemden auch kein einziges anderes Kleidungsstück in ihrem Schrank. - Ich bediente mich mal wieder einer barmherzigen Lüge, um die Gute zufrieden zu stellen.
Obwohl es draussen sehr warm war, sagte ich, dass wir scheussliches Wetter hätten. Es sei kalt, regnerisch und windig. Sie sollte doch ihre Reise verschieben und es sich heute einmal im Bett gemütlich machen.
Sie bedankte sich sogar bei mir für diesen guten Rat. - Ich habe es danach nicht mehr erlebt, dass sie wieder mal verreisen wollte. Vielleicht äusserte sie das bei einer Kollegin? - Wir hatten ja immer Wechselschicht.

Trotz ihrer Mucken hatte ich die Frau in mein Herz geschlossen. - Allerdings hatte die Stationsleitung etwas gegen meine Methoden einzuwenden. - Ich sollte sagen, dass sie 93 Jahre alt sei, sie seit 10 Jahren in einem Altersheim lebte, sie überhaupt keine Verwandten mehr hätte, sie blind sei und ohne Hilfe nicht mehr zurecht käme. Sie könnte auch nicht mehr in einem Zug verreisen!
So etwas lernt man in den Pflegeschulen? -

Meine Vorgesetzte war 21 Jahre alt - ich 45 Jahre. - Ich habe nie ein Konkurrenzdenken entwickelt - stand weit darüber. "Die jungen Damen kommen auch noch dahinter, wenn sie gewisse Lebenserfahrungen gesammelt haben. Wir befanden uns schliesslich nicht in einem Krankenhaus und ich habe immer mein Bauchgefühl benutzt, womit ich sehr gut klar kam."
Ich habe einfach nichts mehr erzählt, was sich zugetragen hatte und wie ich Situationen löste. - Dafür bekam ich immer die schwierigen Fälle zugewiesen! Es hat mich nicht gestört. - Bin auf jeden speziell eingegangen.

 

 

 

 

 

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