Meine Bilder - (Bild stopp - Maus auf Bild)

   

Who's Online  

Aktuell sind 167 Gäste und keine Mitglieder online

   

Flüchtlinge auf Samos

Angst vor dem Knall

Stand: 15.09.2019

Seit auf Samos die Zahl der Neuankömmlinge aus der Türkei wieder steigt, wird die Versorgungslage auf der Insel immer schwieriger. Einheimische und Flüchtlinge fühlen sich von Athen und Brüssel im Stich gelassen.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen, zzt. Samos

Sie bauen sich ihre eigenen Hütten: Iraker, Palästinenser und viele Afrikaner tragen Holzstämme, Plastikplanen und andere Baumaterialien hoch aus Vathi, dem Hauptort der Insel Samos, ins wilde Camp am Registrierungszentrum. In und um den Ort, an dem laut offizieller Planung knapp 700 Menschen Platz finden sollten, leben inzwischen gut 5000.

Leben in Notzelten

Familien, alleinreisende junge Männer und Schwangere wohnen in Notzelten, in kaum isolierten Hütten, zwischen Ratten, Essensresten, prallen schwarzen Mülltüten und auch Fäkalien. "Ein Meter Plastikplane hat fünf Euro gekostet", berichtet ein Iraker. "Meine Freunde dort im Nachbarzelt haben mir geholfen. Ich bin mit meinen Kindern und meiner Frau hierher auf die Insel geflohen. Zuletzt haben wir in einem engen Hotelzimmer bei Izmir gewohnt für 50 Euro die Nacht. Die türkische Polizei hat uns geschnappt und Geld verlangt."

Vor zehn Tagen ist der 40-Jährige, der anonym bleiben will, um sein Asylverfahren nicht zu gefährden, wie viele andere auch im August und September mit dem Schlauchboot aus der Türkei nach Samos gekommen. Kritik an den Zuständen im Camp kann die eigene Lage unsicherer machen. 1000 Euro pro Familienmitglied hätten die irakischen Migranten an ihre Schleuser in der Nähe von Izmir bezahlt, berichtet er. Dazu seien noch einmal 100 Euro als Versicherung gekommen, wie das die türkischen "Agenten" genannt hätten.

Vor ein paar Tagen gab es auf der Insel ein Unwetter mit heftigem Regen. Plötzlich war es kalt im Camp zwischen Felsen und Olivenbäumen. Die neu angekommenen Flüchtlinge haben nur wenig Sommerkleidung zum Wechseln. "Mäuse gibt es hier überall - so groß wie kleine Katzen", sagt der Iraker - und er meint die Ratten.

Zur Körperpflege steht ein Waschbecken mit kaltem Wasser zwischen den Zelten, daneben eine mit einer alten WC-Schüssel selbstgebaute Toilette. Die Abwasserleitung führt in einen Busch. "Wir haben im Irak Kämpfe, in Syrien ist Krieg. Die Menschen müssen hierher flüchten", sagt der Familienvater ernst.

"Grenzen seit langem überschritten"

Der neugewählte Bürgermeister von Samos-Stadt, Georgios Stantzos, ist erst seit wenigen Wochen im Amt. Er spricht mit freundlichem, aber entschlossenem Gesicht von unerträglichen Zuständen für die Flüchtlinge, sieht aber auch, was die eigene Bevölkerung speziell in Samos-Stadt seit 2015 mitmacht und inzwischen kaum noch ertragen kann: "Wir müssen uns von Tag zu Tag durchkämpfen mit dieser Lage", sagt er. "Sicherheitsleute und Bevölkerung bewahren halbwegs Ruhe. Aber ich kann nicht verheimlichen, dass wir das Schlimmste befürchten müssen, dass alles doch noch aus dem Ruder läuft."

Er hoffe, "dass das Glück weiter auf unserer Seite bleibt", sagt Stantzos. Die Menschen auf Samos seien gastfreundlich, aber durch die große Zahl von Migranten, die seit 2015 auf die Insel kamen, seien die Grenzen seit langem überschritten. "Die Migranten müssen deshalb runter von der Insel."

Hier alles lesen

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

   
© veilchens-welt.eu - veilchens-welt.de