Meine Bilder - (Bild stopp - Maus auf Bild)

   

Who's Online  

Aktuell sind 54 Gäste und keine Mitglieder online

   

Ost-Ghuta - ein Glücksfall für kriegsgeile Heuchler

Egon W.Kreutzer

 

Lassen Sie mich etwas abschweifen. Es ist ja Wochenende - und Sie haben ein bisschen Zeit. Kennen Sie Halberstadt?

Am 8. April 1945 wurden in Halberstadt innerhalb von nur 20 Minuten etwa 2.500 Menschen getötet. Die überwiegende Mehrzahl Zivilisten, vor allem Frauen und Kinder.

Renate Seifert, damals ein Mädchen von dreizehn Jahren, hat ihre Erlebnisse aufgeschrieben und später in dem inzwischen vergriffenen Buch "Bleib mal so" verarbeitet. Ich habe auch ein Gesicht dieses Mädchens für Sie, so, wie ihr Vater sie vor über 70 Jahren gezeichnet hat:

 

Am Sonntag, dem 8. April 1945, traf uns der verheerende Angriff eines amerikanischen Bomberverbandes. In einer knappen halben Stunde wurde Halberstadt fast völlig zerstört. Rund 2500 Menschen fanden den Tod. Schwer getroffen wurde auch das alte Stadtzentrum dessen historische Fachwerkhäuser von Brand und Sprengbomben in Schutt und Asche gelegt wurden.
Erst am Samstag zuvor war meine Mutter ganz entsetzt aus der Innenstadt nach Hause gekommen und berichtete von Aufschriften an Wänden und Schaufenstern: "Werwolf erwache!"
Sie befürchtete, dass diese Haltung letzten Widerstandes zu einer schlimmen Reaktion des ‚Feindes' führen würde, der sich für diese Parolen rächen könnte. Im Familienkreis zuhause war klar, dass der Krieg verloren war. Wir sahen auf der Straße den Volkssturm, Jungens und alte Männer mit Panzerfäusten, die in einem quer über die Straße gezogenen Graben die anrückenden Truppen aufhalten sollten.
Ich selbst erinnere mich ebenfalls an ein Geschehnis am Tag vor dem Angriff. Ich war mit meinem Bruder auf der Straße; am Himmel war ein Flugzeug zu sehen, es glänzte am klarblauen Himmel im Sonnenschein, Flakgeräusche waren zu hören - und das Flugzeug stürzte wie eine Fackel brennend zur Erde. Wir waren fasziniert von diesem Vorgang und berichteten zuhause darüber, und wieder erlebten wir als Reaktion die Angst vor der Vergeltung.

Am Sonntag hörten wir kurz vor dem Mittagessen den Heulton der Alarmsirene, und weil wir die Flugzeuge bereits brummen hörten, eilten alle in den Keller. Ich stand noch mit einem Herrn, der oben im Hause wohnte und der aus irgendwelchen Gründen nicht Soldat, sondern ‚unabkömmlich' war, an der Hoftür und sah in den strahlend blauen Himmel.
In der Ferne sahen wir eine Riesenmenge kleiner silberner Flugzeuge, und kurz danach die so genannten Christbäume, das heißt wie Weihnachtsbäume geformte strahlende feurige Rauchzeichen am Himmel.

"Mädchen, nun aber schnell in den Keller", sagte der Mann zu mir, und wir rannten so schnell wir konnten nach unten und berichteten, was wir gesehen hatten. Und schon hörten wir das Getöse der fallenden Bomben, allerdings noch etwas weiter entfernt. Wir kannten das Geräusch aus Bielefeld, wo wir einen Angriff im Bunker überlebt hatten. Meine Mutter ging zu meinem Großvater, der sich natürlich wieder sehr aufregen würde, in den mit Balken zusätzlich abgestützten Kellerraum, um sich um ihn zu kümmern. Ich saß mit meinem kleinen Bruder im Kellergang. Die Einschläge der Bomben kamen näher und näher, es waren Wellen von lauten, harten, explodierenden Einschlägen. Ich kniete mich mit meinem Bruder auf den Steinfußboden, wir legten eine Wolldecke über uns und ich ermahnte ihn: "Immer den Mund aufmachen!" Das hatten wir im Luftschutzunterricht so gelernt. Und mit dem Näherkommen der Einschläge kam auch die furchtbare Angst, das Gefühl, völlig ausgeliefert zu sein. Neben uns eine alte Frau betete laut, eine andere rief dauernd: "Mutter, Mutter".
Ich hatte jedes Gefühl für die Zeit verloren und hatte keine Vorstellung, wie lange das alles dauerte, aber irgendwann hörte es auf. Es war dunkel geworden im Keller. In der Waschküche, die direkt neben der Stelle lag, wo mein Bruder und ich kauerten, waren Glasfenster und -Türen, normalerweise war es also ein heller Raum. Jetzt war alles dunkel. Während des Angriffes waren Staub und Splitter unter der Holztür zu uns gedrückt worden, wir hatten das beim Einatmen gespürt. Nun war die große Angst: "Sind wir verschüttet?"

Die Erwachsenen versuchten zunächst vergeblich, die Kellertür, die nach oben in den Hausflur führte, zu öffnen. Das gelang erst nach geraumer Zeit, denn vor der Tür, wie überall im Haus, lagen Trümmerstücke, Steine, Ziegel. Im Garten, vielleicht 10 Meter vom Haus entfernt, war ein Bombentrichter von ca. 6 Meter Durchmesser. An den Garten meiner Großeltern schloss sich ein sehr großer, parkähnlicher Garten an, der zu einer kleinen privaten Augenklinik gehörte, deren Rückseite schräg gegenüber lag. Diese Klinik brannte lichterloh, ebenso das Eckhaus in unserer Hausreihe, zwei Häuser weiter.

Wir mussten nun so schnell wie möglich aus dem Haus heraus und auf den großen Bismarckplatz gelangen, der nur drei Häuser weit entfernt war. Zuerst brachten wir meine Großeltern dorthin. Für den Opa schleppte ich einen Korbsessel, den konnte ich tragen. Der Bismarckplatz war vor dem Krieg ein kleiner Park gewesen, mit Alleen seitlich, Jasminbüschen - in denen wir als Kinder herumkrochen und deren Geruch ich noch heute in der Nase habe - und in der Mitte war eine große Rasenfläche mit Blumenbeeten. An der oberen Schmalseite lagen, U-förmig gebaut, die Mädchenschulen. Links die Grundschule, rechts das Gymnasium. Nach Kriegsbeginn hatte man auf der ehemaligen Rasenfläche einen großen Feuerlöschteich angelegt. Der Platz wurde nicht mehr wie früher gepflegt, aber Bäume und Büsche waren noch vorhanden und sind es heute noch. Auf diesen Platz flüchteten sich nun die Anwohner der umliegenden Straßen. Die beiden Eckhäuser am Eingang der Bismarckstraße, die von diesem Platz abging, brannten mit riesigen Flammen. Wir mussten, wenn wir zu unserem Haus wollten, an diesen beiden Häusern vorbei. Mit einem feuchten Taschentuch vor Mund und Nase schafften wir es auch mehrere Male, zu unserem Haus zu gelangen und noch einige Sachen zu holen, Koffer, Decken, Bettzeug usw.
Bei dieser Gelegenheit fühlte ich den ungeheuren Sog, der von so einem riesigen Feuer ausgeht, das empfand ich als unheimlich und lebensbedrohend. Alle Bewohner des Hauses liefen hin und her zum Bismarckplatz und brachten Habseligkeiten dorthin. Es war aber klar, dass unser Haus durch den Funkenflug der umliegenden brennenden Häuser sehr gefährdet war. Also mussten alle, die irgendwie dazu fähig und abkömmlich waren, auf dem hinteren Flachdach und im Treppenhaus mit der sogenannten ‚Feuerpatsche' Wache halten, um Funken mit dem nassen Lappen, der an einen Stiel gebunden war, auszuschlagen.

Das Haus meiner Großeltern hatte zur Straßenseite hin ein Satteldach mit Ziegeln, zur Gartenseite hin ein Stück geteertes Flachdach, das im Sommer zum Wäschetrocknen benutzt wurde. Hier musste ich nun mit meiner Feuerpatsche stehen und aufpassen. Ein kleines Feuer schwelte noch auf diesem Dach, weil eine Brandbombe auf die Trennmauer zwischen dem Nachbarhaus und unserem Haus gefallen war. Ich hatte reichlich zu tun, die Patsche immer wieder in den Wassereimer zu tauchen und kleinere Feuerstellen zu löschen. Es kam zwischendurch immer jemand, um nach mir zu sehen und neues Wasser zu bringen. Einige Stunden habe ich dort ausgehalten, dann wurde ich abgelöst. Meine Haare waren total verfilzt, ich hatte Rauchgeschmack im Mund, die Augen waren rot und schwarz vom Rauch, es war überhaupt alles dreckig und rauchig.
Auf dem Bismarckplatz hatten meine Großeltern inzwischen einen früheren Kollegen und guten Bekannten meines Großvaters getroffen, einen pensionierten Junggesellen, dessen große Wohnung erhalten geblieben war. Bei ihm konnten wir die Nacht verbringen. Ich schlief, in eine Decke gehüllt, in allen Kleidern auf dem Fußboden. Wasser und Strom gab es natürlich nicht, ich erinnere mich noch an das Aufwachen am nächsten Morgen - ich war so dreckig, stank nach Rauch, hatte Hunger und Durst.

Meine Mutter, meine Oma und ich gingen in unser Haus zurück und versuchten, das Ausmaß der Schäden festzustellen und herauszufinden, ob es möglich war, dort weiterhin zu wohnen. Die Fenster und Türen waren mitsamt den Rahmen herausgerissen, der Schutt lag fußhoch. Wir holten uns Eimer und Schaufeln, was wir fanden, und fingen an, den Schutt zu beseitigen und nach draußen zu tragen. Die Zimmertüren richteten wir mit vereinten Kräften auf und lehnten sie an die Wand. Die Bismarckstraße und die anderen Nebenstraßen waren mit Schuttbergen bedeckt und nur zu Fuß mühsam zu überklettern. Es war April und immer noch ziemlich kalt. Mit Strom und Wasser war auf längere Zeit nicht zu rechnen. Wir holten Wasser in Eimern von einem ziemlich weit entfernten Hydranten. Der volle Wassereimer wurde mit Frühstücksbrettchen abgedeckt, damit das Wasser nicht überschwappte.
Auf meinem Weg zum Hydranten musste ich immer an einer männlichen Leiche vorbei, der Mann lag auf dem Bauch, und ich war froh, dass ich sein Gesicht nicht sehen konnte. Ein Bein war abgerissen und ich sah den blutigen Stumpf. Mehrere Tage lag der Mann dort, und ich musste immer wieder an ihm vorbei. Seitdem kenne ich den süßlichen und durchdringenden Leichengeruch.

In unserer Straße waren nur wenige Häuser erhalten geblieben. Wir stiegen täglich durch die Trümmer und suchten nach etwas Brauchbarem: So eroberten wir einmal in den verlassenen Kasernen große Bögen Ölpapier, damit konnten wir zum Beispiel die Zwischenwand von Toilette und Küche ersetzen, die völlig herausgebrochen war. In den Kellern zerbombter Häuser fand man auch manchmal eine Flasche Wein oder gefüllte Einmachgläser. Meine Mutter hatte dabei ein schlechtes Gewissen, wir brauchten die Sachen zwar zum Überleben, aber sie gehörten uns ja nicht, und mein kleiner Bruder könnte vielleicht verlernen, dass es ‚mein' und ‚dein' gibt...

Eines Tages war ich unterwegs um trockenes Holz oder anderes Brauchbares zu suchen. Da sah ich inmitten der Trümmer, dort, wo früher die Straße gewesen war, einen riesigen Bogen Ölpapier liegen. Ich wunderte mich zwar, dass er an den Seiten mit Steinen beschwert war, und schloss daraus, dass er vielleicht jemandem gehören könnte, aber der Drang, etwas Brauchbares für die eigene Familie zu finden, war so groß, dass ich die Steine beiseite legte und begann, den Bogen aufzuheben. Aber es bot sich mir ein grauenvoller Anblick: Unter diesem Ölpapier lagen, dicht an dicht aufgereiht Tote! Und, wie ich zu meinem namenlosen Entsetzen feststellte, auch eine Mitschülerin aus der Parallelklasse; ich erkannte sie an ihren langen blonden Zöpfen und an der Kleidung. Sie hieß Käthe und es fiel mir ein, dass sie in der Schule immer besonders nett war zu mir, sie war ‚Einheimische' und ich war ‚Bombenflüchtling'. Jetzt lag sie leblos dort, neben ihrer jüngeren Schwester, die ich auch flüchtig kannte. Ich weiß heute nicht mehr, wie ich von diesem Ort nach Hause gekommen bin, weiß aber, dass ich meiner Mutter davon erzählte und dass wir beschlossen, in der nächsten Zeit in unmittelbarer Nähe des Hauses zu bleiben.

Wir - ich - hatten keine Ahnung, was in diesen Tagen in Deutschland und der Welt vor sich ging. Es gingen immer nur Gerüchte um. Es gab kein Radio, keine Zeitung, nur hin und wieder Leute, die von außerhalb kamen und Neuigkeiten mitbrachten. Aber ich kannte eigentlich nur den Gedanken an Essen und das Versorgen der Familie. Da war es wichtig, die Ohren offen zu halten und auch dem unwahrscheinlichsten Gerücht nachzugehen. Wenn es hieß, es gäbe da und dort Brot oder Kartoffeln, musste ich morgens um 5 oder 6 Uhr los und mich irgendwo in der Stadt anstellen.

Da wurde also, kurz vor dem unmittelbar bevorstehenden Kriegsende mal eben so noch eine Kleinstadt weggebombt.

Das war sicher wichtig, mindestens so wichtig und kriegsentscheidend, wie auch die Bombardierung Dresdens, einer Stadt, die voll mit Flüchtlingen war, kriegsentscheidend war, denn es ging ja darum, jeden womöglich noch lebenden Nazi zu erwischen. Es ging ja um die Befreiung Deutschlands - und in Deutschland konnte schließlich jeder ein Nazi sein.

Ebenso wichtig war es sicherlich, dass Hiroshima und Nagasaki mit Atombomben verwüstet wurden, da waren die Zahlen der Getöteten noch einmal höher als in Dresden, aber die Japaner hätten sonst ja niemals kapituliert, nicht wahr? Also immer feste druff.

Gut, ich weiß, das ist alles Vergangenheit, und Vergangenheit zu bewältigen, das heißt natürlich auch, zu vergessen und zu vergeben und für die Befreiung dankbar zu sein.

Auch die Vietnamesen sollten heute immer noch dankbar sein, durch den jahrelangen Einsatz der gesamten US-Kriegsmachinerie und tonnenweise hochtoxischer Herbizide (Agent Orange) beinahe von der Terrorherrschaft der Vietcong befreit worden zu sein, oder etwa nicht?

Oder denken wir an Afghanistan. Immer noch befreien die USA mit deutscher Unterstützung die Afghanen von den Mudjaheddin, und von den Taliban und von Al Quaida, und vom IS. Tag für Tag, geht das Befreiungswerk so fort, und ein bisschen Pakistan wird gleich immer noch mitbefreit.

800 Cruise Missiles schlugen in den ersten Tagen des Krieges zur Befreiung des Irak von seinem in Massenvernichtungswaffen schwimmenden Diktator Saddam Hussein alleine in der Fünf-Millionenstadt Bagdad ein. Die Opfer hat vermutlich niemand gezählt. Das ist gut für die Erinnerungskultur. Zumal es ja auch nur der Anfang war.

Die Libyer hat man nicht nur von Gaddafi befreit, sondern auch von ihrer großartigen und gigantischen Wasserversorgungsanlage, und von der Fabrik zur Herstellung der Pipeline-Rohre gleich dazu. Sonst hätte man den Diktator niemals niederringen können. Es musste also sein.

Erinnern Sie sich noch an die Rückeroberung der irakischen Stadt Mossul von den dort herrschenden IS-Kämpfern? Wissen Sie, was der damals zuständige US-General Stephen J. Townsend gegenüber der New York Times damals dazu äußerte?

"Es war wie Faludscha auf Stereoiden."

Aber wer weiß schon noch etwas von Faludscha? Die dortige Schlacht gegen die Dschihadisten galt bis Mossul als die erbitterste Schlacht, die US Marines seit dem (siehe oben) Vietnamkrieg geführt hatten. Mossul muss folglich extrem schlimmer gewesen sein. Auch Raqqa wurde übrigens von den USA vom IS befreit.

Aber, wie immer, wenn die USA Menschen, Städte oder ganze Völker von Terroristen oder ihrer gewählten Regierung befreien, achten sie tunlichst darauf, dass Zivilisten vollkommen ungeschoren davonkommen, es gibt da keine Zivilisten, allenfalls Kollaterale, die zu Schaden kommen, aber auf die kommt es absolut nicht an, die waren und sind halt zur falschen Zeit am falschen Ort. Und überhaupt, "Kollateral", für viele Ältere mag das noch nach Kollaborateur klingen - und die haben es sowieso nicht anders verdient.

Für uns ist das alles irgendwie höchstens "Halberstadt".

Einerseits, obwohl erst wenige Monate zurückliegend, doch schon längst wieder vergessen, wie Halberstadt auch, andererseits auch genauso unbekannt, da haben wir keinen Bezug dazu, da registrieren wir nur, dass die Guten ihren guten Kampf kämpfen oder gekämpft haben, und gut ist's spätestens, wenn es der nächste Kriegsschauplatz für ein paar Tage in die Nachrichten schafft.

Und nun zu Ost Ghuta:

Da gibt es in Syrien eine Ortschaft in der sich derzeit rund 400.000 Personen aufhalten, die ebenfalls vom IS befreit werden müssen. Das Problem bei dieser Befreiungsaktion besteht darin, dass der gewählte und amtierende Präsident Syriens selbst dafür sorgen will, dass der IS aus ganz Syrien vertrieben wird. Das zweite Problem besteht darin, dass er sich dazu der Hilfe Russlands versichert hat, statt dies den USA zu überlassen, was allerdings verständlich ist, weil es erklärtes Ziel der USA ist, diesen gewählten und amtierenden Präsidenten Syriens zu entmachten, was nach bisherigen Erfahrungen im Irak und in Libyen quasi sein Todesurteil darstellt.

Aber Syrien ist nun mal für die Expansionspläne der USA in der Region von eminenter strategischer Bedeutung, würde mit der Macht Assads doch zugleich auch der russische Marinestützpunkt am Mittelmeer fallen, könnte man dem NATO-Partner Türkei in Nordsyrien freie Hand bei der Befreiung der Kurden von sich selbst lassen, und so weiter ..., so dass man ihm die Befreiung Ost Ghutas wirklich nicht überlassen kann.

So eine unerwünschte Befreiungsaktion kann nicht gut sein. So eine Befreiungsaktion muss mit allen Mitteln unterbunden werden, und schon weinen die Medien bitterlich mit den großen Staatsmännern und -frauen mit, die nicht müde werden, die Grausamkeiten zu schildern, die Verbrechen gegen die Menschenrechte, die Assad tagtäglich begeht und die alleine in Ost Ghuata innerhalb von drei Tagen über 400 unschuldigen Zivilisten das Leben gekostet haben.

Macron will einmarschieren, die USA drohen Russland, und unser geschäftsführende Inhaberin der Richtlinienkompetenz fordert, dass die EU - und auch Deutschland - in Syrien mehr Verantwortung übernehmen müsse.

Ich weiß, das sollte man so nicht sagen, deshalb sagt sie es ja auch nicht so, aber das ändert nichts daran: "Verantwortung übernehmen" heißt in diesem Zusammenhang nichts anderes, als in den Krieg ziehen, der natürlich nie wieder von Deutschland ausgehen wird. Aber verteidigen, verteidigen dürfen und müssen wir uns, und wenn wir am Hindukusch nicht mehr genug zu verteidigen vorfinden, dann verteidigen wir uns halt in Syrien. Vorwärtsverteidigung hieß das früher - und heute vermutlich immer noch.

Als guter Deutscher weiß ich:Tote darf man nicht gegeneinander aufrechnen. Tu ich auch nicht! Ganz bestimmt nicht. Jeder Tote ist einer zuviel. 400 Tote in Ost Ghuta in drei Tagen, 2.500 in Halberstadt in zwanzig Minuten, das kriegt man gar nicht auf die Reihe! Das wären in Ost Ghuta umgerechnet etwa 2 in zwanzig Minuten oder eine halbe Million in Halberstadt in drei Tagen. War Halberstadt deshalb tausendmal schlimmer? Nein. Das kann man nicht gegeneinander aufrechnen. Gräuel ist Gräuel.

Doch wenn ich auch nicht aufrechnen will, weil es wirklich Blödsinn ist und nur zur Blutrache führen kann: Mein Erinnern, was ja erste Bürgerpflicht in einer hochentwickelten Erinnerungskultur ist, das habe ich einfach nicht unter Kontrolle, das kann ich nicht so fokussieren, einschränken, begrenzen - und das tut mir leid, und dafür entschuldige ich mich, falls ich Ihnen mit meinen Erinnerungen das Sonntagsfrühstück verdorben haben sollte.

Nicht aufrechnen heißt im Umkehrschluss allerdings auch, dass man die Gräueltaten gleichsetzen muss. Und wenn man das tun muss, dann darf man entweder keinen verurteilen, oder man muss alle verurteilen. Politisch korrekt ist das nicht. Politisch korrekt muss es heißen:

Du darfst niemals einen Guten, musst aber jeden Bösen verurteilen!

  • Kein Link. Was derzeit in den Medien ist, will ich Ihnen nicht zumuten.

erschienen am 25. Februar 2018 auf > egon w.kreutzer.de

Herzlichen Dank, lieber Wolfgang, für die Überlassung dieses Artikels!

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

   
© veilchens-welt.eu - veilchens-welt.de