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Auf Kosten der Alten

Kommerzielle Altenpflegeheime können derzeit in Deutschland gut verdienen. Denn Pflegekräfte sind rar und preiswert. Jeder Euro, der nicht fürs Personal ausgegeben wird, erhöht die Rendite.

Dabei bezahlen Pflegebedürftige oft Tausende Euro im Monat dafür, dass sich in Heimen sorgfältig um sie gekümmert wird. Doch das ist nicht immer der Fall.

Frontal 21 wollte eigentlich nur nachrechnen, wie viel kommerzielle Heimbetreiber am Pflegegeschäft verdienen. Doch die Recherchen ergaben neben hohen Gewinnen für die Konzerne auch vernachlässigte Bewohner bis hin zu Schwerverletzten in den Einrichtungen.


https://www.zdf.de/politik/frontal-21/videos/profitgier-der-pflegekonzerne-100.html



Ich kann zu dem Thema eine Menge schreiben, weil ich einige Jahre als Pflegekraft gearbeitet habe. Damals habe ich mich gefragt, wohin das wohl noch führen wird.

Es war für mich schwer, nach langjährigem Hausfrauendasein wieder im Beruf fussfassen zu können. Als ehemalige Versicherungsangestellte hatte sich zu viel geändert. Der Computer hatte inzwischen seinen Einzug gehalten, was mir völlig unbekannt war.

Als ich dann zum Arbeitsamt kam, verwies man mich zu einem Praktikum als Pflegekraft in einem Altenheim. Ich stellte fest, dass mir diese Tätigkeit auch Freude bereitete. Zur Bezahlung? Das Geld erhielt ich vom Arbeitsamt - ein Jahr lang. Somit hatte das Pflegeheim meine Arbeitskraft umsonst.

Nach einem Jahr erhielt ich einen neuen Vertrag, mit einer Entlohnung, die geringer war, als die Einkünfte vom Arbeitsamt. Gut, man wird jetzt sagen, dass ich es ja nicht hätte machen brauchen. - Meine damalige Situation liess keine finanziellen Risiken zu, weil ich alleine war und ich wollte doch zunächst irgendwo fest landen. Aber als man dann noch von mir verlangte, eine PFLEGEFEHLER - Versicherung abzuschliessen, was noch von meiner geringen Entlohnung abgezogen würde, da habe ich gestreikt und einen entsprechenden Kommentar abgegeben.

Es hiess ja vorab, dass ich nur im Beisein von ausgebildetem Pflegepersonal arbeiten könnte, obwohl sich hinterher herausstellte, dass ALLE selbständig zu arbeiten hatten, selbst 15-jährige Praktikantinnen. Diese Argumente habe ich genutzt, als es darum ging, eine Versicherung abschliessen zu müssen.

Meine Beobachtungen in der Zeit - zunächst unabhängig von der Pflege, die geleistet wurde.
Das Altenheim war eine Augenweide, wenn man in die Halle eintrat, wie ein Hotelbetrieb. Es gab damals noch eine gesetzlich vorgeschriebene, hohe Quote von ausgebildeten Altenpflegerinnen. Das wollte man umgehen, indem man ausländische Krankenschwestern ins Land holte. - ABER - deren EXAMEN wurde nicht anerkannt und ALLE landeten beim Arbeitsamt, von wo auch die Unterstützung vorgenommen wurde. Sie wurden als Praktikanten geführt, aber nur so lange, bis die nächsten Krankenschwestern zur Verfügung waren. Allerdings waren es fertig ausgebildete Krankenschwestern.

Ich will nur ganz kurz die Stimmung der bettlägerigen ALTEN beschreiben, weil das sehr wichtig für die gesamte Situation ist. Sie haben keine grossen Ansprüche mehr, aber sie wollen die Pflegekräfte noch verstehen können, zumal sie teilweise ihre gesamte Situation nicht mehr begreifen können.

Die jungen Damen, die ausgebildet wurden, die von den Pflegeschulen kamen, waren so um die zwanzig Jahre alt. Sie wurden für zweijährige Anerkennungsjahre übernommen - zu ganz niedrigen Entlohnungen. Nach diesen zwei Jahren sagte man dann: "Wir wünschen ihnen alles Gute für die Zukunft."

So ging das immer weiter. Man sagte damals, dass die jungen, ausgebildeten Pflegekräfte dann heirateten und aus dem Beruf ausschieden. So habe ich die Zeit mit grossen Bedenken miterlebt, weil die Mädchen alle zitterten, ob sie einen Vertrag erhalten würden. Es gab nur wenige, die schon seit Jahren dort arbeiteten und die fest im Sattel sassen.

Danach wurde die Quote gelockert, was die Fachkräfte betraf. Aber zuvor holte man Personal aus den gesamten Ostblockländern. Wir waren noch von der DDR getrennt zu der Zeit. Von dort kamen keine Arbeitskräfte, höchstens einige, die zuvor geflohen waren.

Übrigens wurde das ebenso bei den Ärzten vorgenommen. Dazu schreibe ich später noch etwas.

Jetzt noch zur Pflege der alten Leute. Ich schwöre euch, dass das die Wahrheit ist, die ich niederschreibe.
Von Beginn an wurde ich bedrängt, schneller zu arbeiten, sonst würden wir das Pensum nicht schaffen. Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, wie schwierig ist, den alten Leuten etwas in Eile anzuziehen, wenn die Haut noch feucht vom Duschen ist. Die meisten sind dabei auch noch orientierungslos und wehren sich gegen alles, was man mit ihnen machen will. Das ist eine der Schwierigkeiten. Man kann doch nicht gewaltsam vorgehen, weil man ein grosses Pensum schaffen muss. Oder schmiert den Körper mit pflegenden Mitteln ein und zieht ihnen dann etwas in Eile an. Ich denke, dass die Leser das verstanden haben.

Die Tätigkeiten - wann was gemacht werden muss - sind vorgegeben. Also - wie 2 x wöchentlich Haarewaschen und alles andere. Nun kann man diese Arbeiten jedoch nicht nach einem Plan vornehmen, weil man die Gegebenheiten erst an den Pflegenden feststellt. Nur ein Beispiel: Die Leute bekommen mal Besuch und was bringen sie mit? Pralinen, Schokolade und das den Zuckerkranken. Man findet dann am frühen Morgen ein total nassgeschwitztes Bett vor, weil die Person die gesamte Süssigkeitenmenge auf einmal vertilgt hat.

Was stellt man fest? Die Station hat die vorgeschriebene Wäschemenge verbraucht und es ist nichts da. Nach Rückfrage bei der Stationsschwester erfährt man, dass genügend Wäsche angefordert, aber nicht geliefert wurde. Ich sollte mal bei anderen Stationen nachfragen, ob die etwas übrig haben. Das läuft genauso bei den Unterlagen, die alle zugeteilt werden.

Ich las dann die Statistik der gesamten sechs Stationen unseres Hauses. Die und die Station haben weniger Betttücher und Kopfkissen verbraucht. Das bedeutete wohl, dass unsere Station dann als Verschwender angesehen wurden. Ich würde das völlig anders beurteilen, nämlich dass man grossen Wert auf einen ordentlichen Pflegezustand legt. Nicht jedoch die Pflegedienstleitung. Das muss man dem entnehmen.

Die Wochenenden waren dann die Krönung im Altenheim. Wir waren nur zu Zweit auf der Station, bei 25 Pflegenden. Am Wochenende haben Praktikanten, damals Zivis und die Stationsleitung frei. Dann kann man sich bald zerteilen. Vergesst nicht, dass am laufenden Band geklingelt wird und wenn man kommt, dann wissen sie oft nicht einmal, warum sie geklingelt haben. So rennt man zwischen allen Tätigkeiten noch, um die Wünsche der Leute zu erfüllen. Die inzwischen mit den vielen Medikamenten abhängig gewordenen Bewohner wollen immer früher ihre nächste Ration haben und klagen über Schmerzen. Ich habe mir schon mal Lösungen einfallen lassen, obwohl man das nicht durfte. Ein Teelöffel lauwarmes Wasser mit einem Spritzer flüssigem Süßstoff. Damit bekam man dann für eine Stunde Ruhe. Ich wusste ja, dass ich damit nichts anrichten konnte.

Übrigens konnte man seinerzeit auch PLACEBOS kaufen. Sie mussten jedoch von den Bewohnern selbst bezahlt werden. Das regelte man von dem Taschengeld. Da war für mich das Wasser mit dem Süßstoff die bessere und einzige Lösung für diese Momente.

Nun komme ich zum Füttern der Schwerkranken. Ich hatte sehr oft vier Leute zur gleichen Zeit, musste von Zimmer zu Zimmer rennen, um jedem mal einen Löffel voll Essen in den Mund zu stecken. Natürlich konnte ich das Schlucken der Speisen nicht überwachen. Es war grauenvoll. In den Augenblicken war ich nur bestrebt, mein Soll irgendwie zu erfüllen. Aber wenn ich daheim war, da quälte mich mein Gewissen. Ich hatte keine Zeit, genügend zu trinken zu reichen. Überlegt:  25 Schwerkranke
zu Zweit zu versorgen - alles im Tempo.

Zur Krönung ging dann auch noch meine Kollegin nach dem Essen für zwei Stunden in die Pause - ich dann nach ihrer Rückkehr. Dann war man alleine. Da zählte nicht mehr, dass ich keine Fachkraft war. Wer anwesend war, musste sein Pensum erfüllen.

Dann kam der Tag, der mich völlig fertig machte. Eine bettlägerige Frau hatte einen epileptischen Anfall. Das hatte ich noch nie zuvor gesehen. Ich rief die Stationsschwester einer anderen Station um Hilfe, die wiederum einen Notarzt am Sonntag anrief. Da konnten wir nichts tun, als die Zunge zu schützen, bis eine Ärztin kam, die eine Valiumspritze abgab. Und das alles, wo ich völlig alleine auf der Station weilte, wo inzwischen überall wegen irgendwas geklingelt wurde. Kein Dank anschliessend von wem auch immer.

Ich habe die Situationen jetzt auch nur grob beschrieben. Aber ich denke, dass sich die Leser nun vorstellen können, wie die weiteren Jahre verliefen. Inzwischen holt man sich schon Chinesen als Pflegekräfte, aber keiner denkt an die Bettlägerigen.
Man hat die weitere Ausbildung von Pflegekräften einfach vernachlässigt, weil man fertiges Personal hatte, was vom Arbeitsamt bezahlt wurde.

Ich mache einen Sprung, einige Jahre weiter. Und zwar kam ich in einer Klinik unter, als Verwaltungsangestellte - in allen Abteilungen der Verwaltung und der ärztlichen Abteilung. Überall, wo jemand fehlte, wurde ich eingesetzt. Unter anderem landete ich auch in der Personalabteilung und musste die Akten vervollständigen. Die sind zwar geheim, aber wenn ich davon schreibe, dass Ärzte aus der Ukraine, aus Russland, Rumänien und von überall beschäftigt wurden, deren Ausbildung jedoch hier in Deutschland nicht anerkannt wurden, ist das kein Geheimnisverrat.

All diese Ärzte wurden vom ÄRZTE - ARBEITSAMT bezahlt. Die hatte die Klinik umsonst. Ich habe die in deutsch übersetzten Diplome und Auszeichnungen abgeheftet und ebenfalls mit den Betroffenen selber geredet. Alle warteten auf eine Übernahme per Klinikvertrag. Es war das gleiche wie bei mir. Die Klinik wurde dann privatisiert und etliches Personal wurde entlassen. Ich hatte noch das Glück, frühzeitig Rentnerin werden zu können. Dabei half mir mein indirekter grosser Arbeitgeber.

Und heute, da man keine so billigen Arbeitssklaven mehr bekommt, muss die Rendite der Investoren gesichert werden, indem man noch mehr Personal einspart. - Die Aussichten sind ätzend! Es ist beschämend, dass unseren Politikern die Gewinnspanne der Investoren wichtiger ist, als eine ordentliche Pflege der ALTEN und ausreichende Versorgung des Pflegepersonals.

Und nun noch EINES:

Wisst ihr übrigens, warum die äusserst kranken Menschen keinen Freitod begehen dürfen? Ich habe erfahren, dass bestimmt 50% der Pflegenden erklärten, wenn sie überhaupt mal frei im Denken waren, dass sie gerne sterben möchten.

Überlegt einmal - was in dem Bereich zu verdienen ist. Die Pharmas, die Apotheken, die Krankenhäuser, die Pflegeheime, die ganze Pflegeindustrie sorgt dafür, dass sich daran nichts ändert. Lieber noch ein paar Pillen, die das Leben verlängern.

Mir sagte ein Arzt in dem Pflegeheim, wo ich arbeitete, wenn ich nur die Hälfte der Medikamente einnehmen würde, die viele der Bewohner erhielten, wäre ich tot. - Und ich erwähne nun die Konsequenz seiner Aussage:

Er durfte nicht mehr in unser Haus kommen, keine Leute mehr behandeln. - Es war ein sehr christliches Altenheim von einer Kirche.

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